Prentke Romich an der New Horizon Special School in Ghana

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Von Nadine Troué.

„Today is Thursday, the eighth of January twothousandandfifteen.“  – so klingt es aus dem Step-by-Step, den Jesse, Cornelius, Courage und Alfreda an diesem Morgen im Morgenkreis betätigen. Ich sitze dabei und bin begeistert, wie schnell die Schülerinnen und Schüler der „Daffodile“-Klasse gelernt haben, den Step-by-Step zu nutzen.
Auch die Klassenlehrerin Marian ist erfreut über den schnellen Fortschritt, den die Schülerinnen und Schüler ihrer Klasse, im Umgang mit dem für sie neuen Mittel zur Unterstützung der Kommunikation machen.

Jeden Morgen treffen sich alle Schülerinnen und Schüler der New Horizon Special School in der „Assembley Hall“, um den Schultag gemeinsam mit Singen, Beten und Tanzen zu beginnen. Auch hier wird nach einiger Zeit der Step-by-Step zum Einsatz kommen, um das Datum vorzulesen. Für ca. drei Monate bin ich ein Teil der Schule, unterstütze in den Klassen als „Volunteer“ und lerne das Leben und Unterrichten in einer Förderschule mit dem Schwerpunkt geistige Entwicklung in Ghana kennen.
Durch meine Arbeit als Förderschullehrerin an einer Förderschule mit dem Schwerpunkt „geistige Entwicklung“ in Lüneburg, bestanden bereits Kontakte zu Prentke Romich, da auch in meinem Unterricht unterschiedlichste Medien der Unterstützen Kommunikation zum Einsatz kommen. Daher bat ich um eine Spende, als ich für meine Freiwilligenarbeit nach Ghana ging.

Mit einem GoTalk 20, drei Step-by-Steps, einem Big-Step-by-Step, einem Power Link 3 und zwei Jelly Bean-Tasten im Gepäck, kam ich im November 2014 im tropisch-warmen Ghana an. Ghana – ein kleines Land in Westafrika – hierhin wollte ich reisen, um als „Volunteer“ an einer Förderschule in der Hauptstadt Accra mitzuhelfen. Die New Horizon Special School bietet Bildung und Ausbildung für Kinder und Erwachsene mit geistiger Behinderung. Sie wurde von Frau Salome Francois im Jahre 1972 gegründet. Als Mutter einer geistig behinderten Tochter, gründete Frau Francois mit der Unterstützung einiger Eltern und Freunden der American Women Association, die Schule, die eine registrierte, freiwillige, Non-Profit und gemeinnützige Institution in Ghana ist.

Ein großes Ziel der New Horizon Special School ist die Umsetzung von „No child left behind“: Jeder Schüler und jede Schülerin soll die Möglichkeit erhalten sein, ihr Potenzial voll zu entfalten, so dass er oder sie ein produktives und zufriedenes Leben in der Gesellschaft führen kann. Die Schule ist der Ansicht, dass jedes Kind, unabhängig von einer Behinderung, das Recht auf Entwicklung seiner/ ihrer Fähigkeiten hat.

An der New Horizon Special School werden ca. 150 Schülerinnen und Schüler in 7 Klassen und 4 Werkstätten unterrichtet.
Die Klassen sind leistungshomogen zusammengesetzt, mit maximal 10 Schülerinnen und Schülern, in denen 2 Lehrkräfte unterrichten. Auch werden einige Kinder von Assistentinnen begleitet. Die Schule verfügt zudem über einen Werkstattbereich mit der Möglichkeit einer beruflichen Bildung und Beschäftigung für erwachsene Menschen mit geistiger Behinderung u.a. in den Bereichen Batik, Nähen, Korbflechten, Weben.

Der Anteil „nonverbal kommunizierender“ Schülerinnen und Schüler liegt an der New Horizon Special School bei ca. 60%, so dass die von mir mitgebrachten Mittel der UK mit Begeisterung angenommen wurden. Piktogramme zur Unterstützung der Kommunikation werden bereits eingesetzt.
Auch viele andere, hier eingesetzte Medien und Methoden, sind mir aus meiner Arbeit bekannt: Arbeitsplätze sind räumlich, sächlich und strukturiert eingerichtet und es gibt feste Abläufe und Rituale. In einem Computerraum gibt es die Möglichkeit, Piktogramme auszudrucken und somit u.a. den Go Talk 20 einzurichten.
Der Schultag beginnt morgens um 8 Uhr, nach einem gemeinsamer Beginn in der Assembley Hall werden in den Klassen Morgenkreise angeboten, anschließend findet Unterricht statt. Ein warmes, in der Schulkantine zubereitetes Mittagessen, wird um 12:15 Uhr eingenommen, der Schultag für die Schülerinnen und Schüler endet um 16 Uhr. Einmal wöchentlich finden klassengemischte AGs, wie z. B. Kunst, Musik, Spielen statt. Im Rahmen der Arbeitsgemeinschaften gab es zahlreiche Gelegenheiten den Go Talk 20 einzusetzen.
Auch konnten mittels mitgebrachter Tasten und dem Power-Link, Schülerinnen und Schüler der Klasse „Jasmin“, ein Radio betätigen und somit Erfahrungen mit Ursache-Wirkung sammeln. Die Schülerinnen und Schüler hatten viel Freude bei der Erprobung dieser (für sie neuen) Kommunikationsmedien und wandten sich diesen interessiert zu.

Auf unterschiedlichste Weise wurden die neuen Medien eingesetzt und angebahnt:

  • In der Zeit, in der ich vor Ort war, wurde für eine Weihnachtsvorführung für die Eltern geprobt. Für ein Weihnachtslied wurde der Big-Step-by-Step eingesetzt, der mit Liedsequenzen oder Äußerungen des Weihnachtsmannes, „hohoho“, besprochen wurde.
  • Erste Erfahrungen mit Medien der Unterstützten Kommunikation, machten die 4-6-jährigen Schülerinnen und Schüler der Klasse „Lavender“, indem sie „ja“ und „nein“ auf  zwei unterschiedlichen Step-by-Steps drücken konnten.
  • Insgesamt zeigten sich sowohl die Schulleiterinnen Vanessa Adu-Akorsah und Jocelyn Adoboe als auch die Lehrkräfte, den neuen Medien gegenüber sehr aufgeschlossen und interessiert. Die sehr schnell einsetzenden und gut beobachtbaren Erfolge der Schüler, bestärken das Kollegium in ihrem Plan, die erhaltenen Geräte so oft wie möglich zum Einsatz kommen zu lassen.

 

 Kontakt: nadinetroue@web.de

Minfo 03-2015