Mein erster Kongress

Der Kongress für Unterstützte Kommunikation in Leipzig vom 06.–08.11.2025

Ich heiße Nency Pfeifer und bin 28 Jahre alt. Da ich wegen einer Gehirnblutung unter meiner Geburt weder laufen noch selber sprechen kann, kommuniziere ich mit meinen Mitmenschen über einen Sprachcomputer: einen sogenannten Accent 800 mit der Wortstrategie 144.


Aber jetzt erst mal alles von Anfang an:


Eines Abends im Mai bekam ich eine WhatsApp-Nachricht von meiner Prentke-Romich-Beraterin Mattea Ruthenberg. Sie fragte mich, ob ich mir überlegte, zum diesjährigen UK-Kongress in Leipzig zu fahren. Ich antwortete ihr, dass ich dies eigentlich nicht vorhatte. Ich hatte noch nie davon gehört und fragte sie, warum sie mir solch eine Frage stellte. Sie klärte mich dann auf:
„Wir als Prentke Romich würden dich gerne einladen, uns bei unserem Stand zu unterstützen.“ Ich sollte mir überlegen, ob es etwas für mich wäre. Ich hielt Rücksprache mit meinem Arbeitgeber und meiner Mutter, die mich nach Leipzig begleiten sollte, und nahm das Jobangebot ein paar Tage später mit Freude an.


Nachdem mit Mattea alle Details besprochen und ein Hotel gebucht war, wartete ich nun mit gemischten Gefühlen aus Angst, Ungewissheit und Vorfreude auf den November.

Mit Fragen und Gedanken wie: „Was ist ein Kongress? Was wird von mir erwartet?“ und „Bin ich gut vorbereitet?“ fuhren meine Mutter und ich los nach Leipzig. Nach etwa vier Stunden Autofahrt ab Bremen kamen wir im Hotel an. Den Abend nutzten wir für einen Spaziergang durch die Leipziger Innenstadt.

Nach einem energiereichen Frühstück im Hotel machten wir uns zu Fuß auf den Weg zur Kongresshalle. Viel zu früh, denn wir mussten erst um 14 Uhr an unserem Stand sein.

Die Veranstaltung war nur einen Kilometer vom Hotel entfernt. Dort angekommen, wurde ich schon am Stand von PRD erwartet. Katrin Möhlecke, Lena Fischer, ebenfalls PRD-Beraterinnen, und deren Kollege Benjamin Musketa waren schon mit dem Aufbau des Standes beschäftigt. Katrin und Lena haben mich gleich eingewiesen und mir alles erklärt. Sie zeigten mir, was es Neues bei PRD gibt: das Wimmelbuch.

Anschließend bekam ich, nach meinem Einverständnis, ein Namensschild angehängt und das abwaschbare Tattoo „Weil jeder was zu sagen hat“ auf den Handrücken.

Über den Einsatz der beiden, mir meine Nervosität ein bisschen zu nehmen, war ich froh. Nach und nach kamen auch die anderen Mitarbeiter an, die mich ebenfalls freundlich begrüßten. Das gab mir ein gutes Gefühl.

Schon bald war es 14 Uhr und der Saal mit der Ausstellung füllte sich langsam mit Besuchern. Dies war mein Zeichen, loszulegen, denn meine Aufgabe des Tages bestand darin, aktiv auf die Leute zuzugehen, um so ins Gespräch mit ihnen zu kommen. Ich sollte die Besucher der Messe auf den Stand von PRD aufmerksam machen. Ich bin also etwas unbeholfen auf einen Stehtisch zugefahren, an dem Besucher mit ihren Kaffeetassen standen, und habe den Menschen meine Hilfe angeboten. Sie lehnten dankend ab, waren aber trotzdem begeistert, wie schnell ich mit meinem Talker trotz der kleinen Felder schreiben kann. Das gab mir noch ein besseres Gefühl.

Irgendwann traf ich auf eine Frau, die mich durch mein Namensschild erkannte. Sie hatte den Artikel „Ein Leben ohne meinen Talker kann ich mir nicht vorstellen“ (2017) von mir gelesen und ihrem Schüler damit Mut gemacht. Das freute mich sehr zu hören.

Kurze Zeit später sprach ich eine Dame an, aber sie verstand mich nicht, weil sie kein Deutsch sprach.

Sie sagte mir mithilfe ihres Handys, dass ich sie inspiriere, und wir machten auf ihren Wunsch hin noch ein Foto zusammen. So lernte ich immer mehr interessante Personen kennen, die mich auf mein strahlendes Lächeln angesprochen haben.

Personen, die staunten, wie gut ich die kleinen Felder meines Talkers und die Menge der Tasten auf dem kleinen Bildschirm beherrsche.


Wie z. B. zwei Frauen, die gemeinsam ein Buch mit einem UK-Nutzer veröffentlicht haben. Sie luden mich in ihre Lesung am Samstag ein, zu der wir es am Samstag leider nicht mehr schafften.
Ich sprach ohne meine schon vorgespeicherten Sätze und Texte, die ich extra für den Kongress vorbereitet hatte.

Plötzlich fragte mich ein Mann, ob ich Musik machen wolle. Er wies mich ein und ich begann, Musik zu machen, indem ich meine Arme einfach bewegte, denn: Eine Armbewegung = ein Ton.

Mit der Musik, die man im ganzen Saal hören konnte, ging der erste Kongresstag auch langsam zu Ende. Überglücklich und voller neuer Erfahrungen und doch körperlich erschöpft ging es wieder ins Hotel. Am nächsten Tag hatten wir Zeit, uns die Ausstellung inklusive Verkaufsecke anzuschauen. Dabei durften wir auch Talker mit Augensteuerung ausprobieren. Es war eine lehrreiche und zeitgleich anstrengende Erfahrung, die trotzdem großen Spaß gebracht hat.

Zuvor durften wir uns noch einen Vortrag anhören, der sich mit UK-unterstützten Gesellschafts- und Computerspielen beschäftigte.

Am späten Nachmittag haben wir uns im Hotel für die Abendveranstaltung frisch gemacht. Hier wurden Preise an Leute verliehen, die sich für Unterstützte Kommunikation einsetzen.Während der ganzen Zeit sprachen mich immer wieder Menschen an und unterhielten sich mit mir.

Der letzte Tag des Kongresses begann für uns schon früh in der Halle.

Wir verabschiedeten uns von allen und machten uns überglücklich und um einige überwältigende Erfahrungen reicher auf den Weg nach Hause.
In diesem Sinne möchte ich mich bei Mattea und dem kompletten PRD-Team noch einmal ganz herzlich für diese großartige Möglichkeit bedanken.

Nency Pfeifer, UK-Nutzerin