Martin Gülden

Lieber Paul, das was mir mit am wichtigsten ist, ist, dass wir beide zusammen mit einem Team (das waren u.a. Bruce Baker und Ursula Braun) Anfang der 90er Jahre die erste Deutsche Wortstrategie und dann, basierend auf diesem Programm, in den Folgejahren weitere Minspeakprogramme zusammen entwickelt haben.

Ich kann mich noch daran erinnern, dass wir auf einer Rehacare Messe in Düsseldorf waren, abends nach dem Essen zusammen in unserer Unterkunft gesessen haben, mit einem tonnenschweren Computer und einem unglaublich lauten Nadeldrucker. Wir haben das Layout der Tastatur und Sequenzen für den Wortschatz entwickelt und haben bis spät in die Nacht gearbeitet. Meine Güte, haben wir oft bis spät in die Nacht gearbeitet….

Ich bin stolz darauf, dass wir die Grundlage dafür geschaffen haben, dass in Deutschland so viele Menschen kompetent und auf hohem Niveau mit einer elektronischen Kommunikationshilfe kommunizieren können.

Wir haben eine intensive Zeit miteinander gehabt, wir haben uns genau so gezofft, wie wir uns auch geliebt haben. Wir waren unterwegs in der ganzen Bundesrepublik, haben Entwicklungen in Gang gesetzt, die es bis dato noch nicht gegeben hatte. Ich erinnere mich an unsere vier Minspeak Konferenzen, die wir natürlich mit unserem Kollegen damals zusammen gestaltet haben. Unvergessen bleiben die zahlreichen Beiträge der mit unseren Talkern kommunizierenden ReferentInnen.

Wir haben eine vernetzte UK Welt geschaffen. viele Gedanken sind durch uns in die UK Welt hinein getragen worden. Ich denke z.b. an das Konzept des Kernwortschatzes, das wir bereits Anfang der 90er Jahre propagiert haben. Wir haben in der Szene Auseinandersetzungen geführt, etwa, ob für jeden Menschen ein eigenes System entwickelt werden soll, also modular aufgebaut mit einem „individuellen“ Wortschatz für jeden. Wir haben dagegen gehalten, dass es keinen individuellen Wortschatz gibt, sondern dass wir alle eine gemeinsame Sprache sprechen, ohne die wir uns nicht verständigen könnten. Denn dafür braucht es Gemeinsamkeit.

Was mich sehr freut und auch nachhaltig berührt, ist, dass ich deine Eltern kennenlernen durfte. Und, dass ich mit dir, dem Engländer, oft durch England streifen konnte und dieses nette Land durch dich hab kennenlernen können. Ich weiß nicht, ob ich dir wirklich dankbar bin, dass du mich dem Single Malt Whisky näher gebracht hast. Aber, lecker ist er auf jeden Fall.

Großartig fand ich auch, dass wir zusammen eine Woche nach Teneriffa geflogen sind, um die Grundlagen für die Wortstrategie 84 zu entwickeln. Diese eine Woche auf dieser Touristeninsel mit dir zusammen werde ich nicht vergessen.

Wir beide haben Gas gegeben, als wir angefangen haben für Prentke-Romich zu arbeiten. Jetzt sehen wir eine neue Generation, die Gas gibt, auf Basis dessen, was du mit erschaffen hast.

Beruf und Hobby ist für dich immer eins gewesen. Jetzt verabschiedet sich der Beruf aus deinem Leben. Ich wünsche dir von ganzem Herzen viel Freude mit deinem „Rentnerdasein“, das sicherlich angefüllt sein wird mit einer Menge wilder Projekte. Ich komme dann beizeiten mal mit einer Flasche Lagavulin zur Qualitätssicherung vorbei.

Hau rein, Martin