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Lukas und sein grüner NovaChat

Ein kleiner Junge hat seinen ersten Schultag. Er ist aufgeregt, schaut scheu auf seine neuen Mitschüler und die Erwachsenen (Lehrer, Erzieher, Therapeuten).

Er lächelt viel und scheint damit ausdrücken zu wollen: „Ich bin ein Netter, bitte tut mir nichts!“.

Aber was versteht er alles? Lautsprachlich äußern kann er sich nicht, und zusätzlich ist er hochgradig hörbeeinträchtigt, so dass er kein Sprachverständnis besitzt.

Er versteht viel! Die Situationen, die er in seinem neuen Alltag erlebt, versteht er schnell. Er weiß, wie sein Tagesablauf aussieht, wo seine Jacke hängt, dass vor dem Essen Hände gewaschen werden, wann seine Therapiezeiten sind…

Seine kommunikativen Fähigkeiten nehmen in den ersten zwei Schuljahren langsam zu: er entwickelt ein individuelles „Ja“ und „Nein“, er bekommt einen GoTalk und einen Step-by-Step.

Aber reicht das? Benötigt er nicht einen Talker? Aber er hört ihn ja nicht!

Beim nächsten Beratungstag, an dem die damalige PRD-Beraterin Kathrin Rieker zu uns kommt, erzähle ich ihr von dem Jungen. Sie hilft mir auf die Sprünge und meint, eine Tafel könnte etwas für den Anfang sein, um einen komplexeren Wortschatz aufzubauen.

Diese bekommt er dann auch. Die Tafel wird von Woche zu Woche komplexer, sie bekommt Klappen, um den nötigen Wortschatz auf zwei DinA4-Seiten unterzubringen.

Die größte Schwierigkeit ist dabei sein fehlendes Sprachverständnis. Immer wieder zeigt sich, dass der Wortschatz weiter ausgebaut werden muss, aber allein das Bereitstellen von Bildern nicht ausreichend ist.

Wortschatz erweitern bedeutet immer, Situationen zu schaffen, in denen die Bilder erklärt werden können. „Hase“ für „schnell“ und „Schildkröte“ für „langsam“ versteht er, nachdem ich ihn in seinem Rollstuhl entweder schnell oder langsam schiebe, je nachdem, welches Bild er auswählt.

Im Dezember 2012 haben seine kommunikative Möglichkeiten und Fähigkeiten dannn einen bedeutenden Sprung gemacht:

Lukas bekam einen NovaChat mit dem MetaChat-Vokabular!

Nach der vorherigen Beratung deutete er immer wieder auf die Symbole „kaufen“, „Talker“ „grün“.

Klar war: er möchte einen eigenen grünen Talker!

Seit er diesen hat, sprudeln die Sätze nur so aus ihm heraus. Anfänglich waren es 1-2 Wort-Sätze. Seit er die Funktion „Symbole im Textfenster“ nutzt, haben sie sich deutlich verlängert. Er sieht jetzt die Wörter, die er ausgewählt hat und fügt Wort für Wort hinzu, wenn ihm noch mehr dazu einfällt.

Hier zwei Beispiele:

Ab Mittwoch ist er für drei Tage mit seiner Klasse beim Zelten:

                                              

So konnte er mir davon erzählen.

In der Therapie entkernte ich Kirschen mit ihm. Von den fertigen Kirschen nahm ich mir eine.

                          

bekam ich daraufhin zu hören.

Heute kann sich niemand mehr vorstellen, dass es eine Zeit gab, in der Lukas keinen Talker hatte.

 

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