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Lernen mit Lennart (2010)

LennartLennart ist sechs Jahre alt und besucht die erste Klasse. Wie viele Jungen seines Alters mag er Dinosaurier, Basteln und mit seinen Freunden draußen spielen. Im Gegensatz zu seinen Freunden hat Lennart eine Behinderung, die ihn daran hindert, sich zu bewegen, seine Hände einzusetzen oder zu sprechen.

Seit einem Jahr benutzt Lennart einen EcoTalker mit dem Programm Wortstrategie 84. Um das Gerät anzusteuern verwendet er einen sogenannten Tracker. Auf Lennarts Brille klebt ein kleiner Reflektorpunkt. Der EcoTalker erkennt die Position des Punktes, und dadurch kann Lennart auf dem Talker Tasten und auch Wörter auswählen.

Mit Hilfe des Programmes Wortstrategie 84 hat Lennart mittlerweile kommunizieren gelernt. Nach anfänglichen Versuchen mit einzelnen Wörtern und Phrasen ist es spannend zu beobachten, wie er seit einigen Monaten immer komplexere Aussagen bildet. Diese Veränderung beginnt nicht nur sein Leben zu verändern, sondern auch das seiner Freunde und all der Menschen, die ihn kennen. Wollte er früher etwas sagen (und wie jeder andere Sechsjährige möchte Lennart sehr viel sagen), mussten Familie und Freunde Fragen stellen und raten, bis das Rätsel gelöst wurde. Jetzt kann seine Mutter – genau wie jede andere Mutter – ihre Freunde anrufen, um die neusten schrägen, schönen und lustigen Gedanken ihres Sohnes zu erzählen.

Lennarts Mutter erzählt
Lennart hat jetzt seit einigen Monaten seinen EcoTalker und ich muss einfach mal berichten, was er alles mit seinem Talker sagt.
Alles fing damit an, dass Lennart uns seine Grundbedürfnisse mitteilte. Mittlerweile versieht er dabei seine Äußerungen noch mit ergänzenden Details, die z. B. die Dringlichkeit des Gesagten betonen. Es ist so eine Erleichterung, dass er jetzt auch genau sagen kann, was ihm Schmerzen bereitet. Manchmal drückt das Korsett oder ein Gurt sitzt etwas stramm. Lennart sagt dann ganz genau, was ihm weh tut, und wir können ihm schnell Linderung verschaffen.
Seit Lennart den Talker hat, kann er auch viel mehr selber bestimmen, wie er seine Freizeit verbringen will. Er sagt ganz genau, wann er was und wo spielen möchte. Dabei werden seine Ideen und Wünsche immer vielschichtiger. Er hat inzwischen gelernt, auch komplexere Fragen zu formulieren. Ihn interessiert alles, was auch andere sechsjährige Jungen interessiert. Manchmal fragt er aber auch Dinge, bei denen wir nie darauf gekommen wären, sie ihm zu erklären.
Besonders schön sind auch die kleinen Streitereien zwischen Lennart und seiner Schwester. Natürlich sind nicht die Streitereien schön, sondern die Tatsache, dass Lennart bei den unter Geschwistern üblichen verbalen Rangeleien jetzt endlich seine eigene Meinung sagen und sich wehren kann. So meinte er neulich zu ihr: „Lass dass, mir immer alles nach zu machen“.
Bevor wir den Talker hatten, hatten wir auch schon eine tolle Kommunikation. Das jedenfalls dachten wir. Jetzt aber erst sehen wir, was wir alles nicht verstanden haben. Wir erkennen, dass Lennart oftmals ganz anders denkt als wir, dass ihn andere Dinge interessieren und er viel mehr erkennt oder hinterfragt, als wir jemals gedacht haben. Man kann fast sagen, wir haben Lennart zum zweiten Mal kennen gelernt.
Lennart hat mit dem Talker regelrecht sprechen gelernt. Von Anfang an habe ich ihm immer und immer wieder meine eigenen Sätze auch auf dem Talker „vorgesprochen“. So konnte er sehen, wo welche Ikonen liegen, und gleichzeitig konnte ich ihm den Satzaufbau oder die verschiedenen Zeiten beibringen. Allerdings kann die Verfügbarkeit eines Talkers auch manchmal ziemlich desillusionierend sein: Nämlich wenn Lennart sagt, er hätte „nur uncooles“ zum Geburtstag bekommen.

Lennart

Wörter spielerisch erlernen
Die Wortstrategie 84, die Lennart benutzt, ist besonders wichtig für seine Entwicklung. Schon vom ersten Tag an bekam er keine abgespeckte Auswahl an Wörtern, sondern konnte jedes der etwa 2.400 Wörter in dem Programm erreichen. Als er sein Gerät bekam, tat er das, was jedes Kind, sprechend oder nicht, gemacht hätte. Er lernte nicht Schritt für Schritt einzelne Wörter zu finden, sondern spielte alleine und mit seiner Familie. Er hörte sich alles an, was er finden konnte. Seine ersten Aussagen waren entsprechend holprig und teils unverständlich. Diese Forschungszeit machte sich aber nach einigen Monaten bemerkbar. Noch heute greift er zum Beispiel häufig mitten in einer Aussage auf Wörter zurück, die er nur aus diesem Forschungsspiel kennen kann. Für alle Kinder ist die Möglichkeit mit Wörtern zu spielen ein Fundament für den Umgang mit Sprache.
Lennart
Modelling
Lennarts Mutter erkannte sofort, dass sie kein Vorbild für Lennart sein kann, wenn sie nicht selber „talkern“ kann. Deshalb hing sie das PRD-Zielvokabularposter in der Küche auf und übte nach und nach selbst einfache Äußerungen mit dem Talker zu machen (sie wollte schließlich nichts von Lennart erwarten, was sie nicht selber konnte). Die Bestätigung kam sehr schnell. Es dauerte nicht lange bis Lennart begann, einfache Äußerungen, die seine Mutter am Talker gemacht hatte, zu wiederholen und abzuändern, um sie in der eigenen Kommunikation einzusetzen. Inzwischen ist es für Lennarts Mutter selbstverständlich, ihre eigenen Aussagen mit dem Talker zu begleiten. Gemeinsam haben beide gelernt, mit dem EcoTalker immer komplexere Äußerungen zu formulieren.

Kommunikation im Alltag
Mittlerweile ist der Talker nicht mehr wegzudenken aus Lennarts Leben. Auch wenn es manchmal länger dauert, redet er den ganzen Tag nicht nur über Alltägliches, sondern über alles, was ihn bewegt.

 

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